20.08.2026: Von Paderborn nach Ghana – wie Krankenhausbetten ihren Weg nach Afrika finden

Am Anfang unseres Projekts „1Bed4All (II)“ stand eine großzügige Sachspende: Die St. Vincenz Kliniken in Paderborn und Salzkotten stellten HITA e. V. insgesamt 180 hochwertige, gebrauchte Krankenhausbetten zur Verfügung.

Für viele Gesundheitseinrichtungen in Ghana sind gut erhaltene Krankenhausbetten ein wertvolles Gut. Insbesondere kleinere Krankenhäuser und ländliche Gesundheitsstationen verfügen häufig nicht über ausreichende Behandlungskapazitäten. Mitunter müssen Patienten sogar auf dem Fußboden versorgt werden.

Mit den gespendeten Betten wollten wir deshalb einen ganz konkreten Beitrag zur Verbesserung der medizinischen Versorgung leisten. Doch die Bereitstellung der Betten war erst der Anfang.

Gemeinsam anpacken: Von der Klinik in den Schiffscontainer

Damit die 180 Krankenhausbetten ihren Weg nach Ghana antreten konnten, war eine umfangreiche logistische Vorbereitung erforderlich. Eine entscheidende Rolle spielte dabei die internationale Spedition Hartmann International aus Paderborn, die uns bei der Organisation und Durchführung der Transporte unterstützte.

Anfang Dezember 2022 trafen sich Mitarbeiter der St. Vincenz Kliniken, Beschäftigte von Hartmann International und ehrenamtliche Helfer von HITA zu einer gemeinsamen Verladeaktion. Die Krankenhausbetten mussten aus den Kliniken abgeholt, transportfähig vorbereitet, sicher verstaut und schließlich in Schiffscontainer verladen werden.

Allein an einem Adventssamstag gelang es zwölf Helfern, innerhalb von nur sechs Stunden 120 Krankenhausbetten in zwei Containern seefertig zu verstauen. Wenige Tage später folgte ein dritter Container mit weiteren 60 Betten. Damit konnten insgesamt 180 Krankenhausbetten in drei Containern ihre Reise von Deutschland nach Ghana antreten.

Diese gemeinsame Aktion war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was durch die Zusammenarbeit von Unternehmen, Gesundheitseinrichtungen und ehrenamtlich Engagierten möglich wird.

Die eigentlichen Herausforderungen begannen nach der Ankunft

Die drei Container erreichten im Januar 2023 den Hafen von Tema, dem wichtigsten Seehafen Ghanas. Von dort sollten die Betten an ausgewählte Gesundheitseinrichtungen insbesondere in der Bono-Region weitertransportiert werden.

Gemeinsam mit Professorin Prudence Mwini-Nyaledzigbor, damals Dekanin der School of Nursing and Midwifery an der Catholic University of Ghana, hatte HITA einen Verteilungsplan entwickelt.

Dabei sollten insbesondere auch kleinere Krankenhäuser und Einrichtungen der gemeindenahen Gesundheitsversorgung berücksichtigt werden, die häufig nur über eine unzureichende medizinische Ausstattung verfügen.

Doch die Freigabe der Container erwies sich als wesentlich schwieriger als erwartet.

Was zunächst wie ein bürokratisches Problem erschien, entwickelte sich zu einer langwierigen Auseinandersetzung um die Freigabe und den bestimmungsgemäßen Verbleib der Hilfsgüter.

Wenn Hilfsgüter im Hafen feststecken – Bürokratie, Unregelmäßigkeiten und Korruptionsverdacht

Besonders schwer wiegt dabei, dass die Verzögerungen offenbar nicht allein auf organisatorische Schwierigkeiten zurückzuführen waren.

Nach den HITA vorliegenden Informationen wurde versucht, Container mit den gespendeten Krankenhausbetten widerrechtlich umzuleiten und damit ihrem ursprünglich vorgesehenen Bestimmungszweck zu entziehen.

Der Vorgang wurde Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen in Ghana.

Auch unabhängig von unserem Projekt sind Korruption und Unregelmäßigkeiten bei der Zollabfertigung ein bekanntes Problem. Ghanaische Behörden haben in Zusammenarbeit mit Antikorruptionsorganisationen Maßnahmen ergriffen, um Transparenz und Integrität im Zollwesen zu verbessern (vgl. https://chraj.gov.gh/2025/03/05/gra-5-others-plot-to-fight-corruption/ und https://osp.gov.gh/case_files/case_profile/43/cases/ ).

Ob und in welchem Umfang bei der versuchten Umleitung unserer Krankenhausbetten tatsächlich Korruption im strafrechtlichen Sinne vorlag, ist bislang nicht abschließend geklärt. Wir möchten deshalb weder den Ermittlungen vorgreifen noch unbewiesene Vorwürfe gegen einzelne Beteiligte erheben.

Für uns bleibt dennoch eine besonders bittere Erkenntnis: Während die rechtlichen und organisatorischen Schwierigkeiten über Jahre ungelöst blieben, fehlten die dringend benötigten Krankenhausbetten dort, wo sie eigentlich helfen sollten – bei den Patienten.

Im April 2026 konnten Vertreter von HITA gemeinsam mit unserem ghanaischen Projektpartner Mensah Rex persönlich mit den zuständigen Ermittlern im Hafenbezirk Tema sprechen. Damit kam wieder Bewegung in die Bemühungen um eine Klärung.

Der Vorgang zeigt eine schwierige Seite internationaler Entwicklungszusammenarbeit, über die nur selten berichtet wird: Nicht immer scheitert Hilfe an fehlenden finanziellen Mitteln oder mangelnder Unterstützung. Manchmal verhindern auch undurchsichtige Verwaltungsabläufe, ungeklärte Zuständigkeiten oder mutmaßliche Unregelmäßigkeiten, dass dringend benötigte Hilfsgüter ihre Empfänger erreichen.

Ein erster Erfolg: 60 Krankenhausbetten erreichen ihre Bestimmungsorte

Trotz aller Schwierigkeiten gelang es schließlich, den ersten Container mit 60 Krankenhausbetten freizubekommen. Im September 2023 wurden diese Betten einschließlich Matratzen an fünf Gesundheitseinrichtungen in der Bono-Region übergeben.

Die Verteilung erfolgte wie folgt:

Gesundheitseinrichtung Krankenhausbetten
Sunyani Regional Hospital 20
SDA Hospital, Sunyani 20
Sunyani Municipal Hospital 10
Fiapre Health Centre 5
Klinik der Catholic University of Ghana 5
Gesamt 60

 

Bei der offiziellen Übergabe würdigten Vertreter der Catholic University of Ghana und der beteiligten Gesundheitseinrichtungen die Unterstützung durch HITA.

Besonders deutlich wurde dabei, wie groß der Bedarf ist: Studierende der Pflegewissenschaften hatten während ihrer praktischen Ausbildung wiederholt erlebt, dass Patienten aufgrund fehlender Betten auf dem bloßen Fußboden versorgt werden mussten.

Die 60 Betten bedeuteten deshalb weit mehr als eine Ergänzung der Krankenhausausstattung. Sie schufen bessere Bedingungen für Patienten und erleichterten zugleich die Arbeit des medizinischen Personals.

Für HITA war dies ein wichtiger erster Erfolg – allerdings nur ein Teilerfolg.

Transport von 60 HITA-Krankenhausbetten in Ghana
3 große Übersee-Container vollgepackt mit Krankenhausbetten auf dem Weg nach Ghana

120 Betten warten weiterhin auf ihre Bestimmung

Während die ersten 60 Betten übergeben werden konnten, blieb die Freigabe der beiden weiteren Container mit insgesamt 120 Krankenhausbetten zunächst ungelöst. Auch im April 2026 waren diese Container nach den damaligen Informationen von HITA noch nicht freigegeben.

Über Jahre hinweg bemühten sich unsere Partner vor Ort und HITA-Mitglieder in Deutschland um eine Lösung. Gespräche mit Behörden, persönliche Besuche in Ghana und zahlreiche organisatorische Anstrengungen waren erforderlich. Eine besonders wichtige Rolle spielte dabei unser ghanaischer Projektpartner Mensah Rex.

Mit großer Beharrlichkeit und außergewöhnlichem persönlichem Einsatz setzte er sich immer wieder dafür ein, dass die Container freigegeben werden und die Krankenhausbetten endlich ihren Bestimmungsorten zugeführt werden können.

Gerade in schwierigen Situationen zeigt sich, wie wichtig verlässliche Partner vor Ort sind. Menschen, die die lokalen Gegebenheiten kennen, Kontakte pflegen, Verantwortung übernehmen und auch nach Rückschlägen nicht aufgeben.

Unser Ziel bleibt, dass alle gespendeten Krankenhausbetten dort ankommen, wo sie dringend gebraucht werden. Nach weiteren Gesprächen haben wir aber jetzt wieder Hoffnung, dass doch noch Bewegung in die Sache kommt. Wir werden hoffentlich bald darüber berichten können.

Nachhaltige Hilfe bedeutet mehr als die Lieferung von Betten

Von Anfang an war uns wichtig, dass die gespendeten Krankenhausbetten nicht nur an ihren Bestimmungsorten ankommen, sondern dort möglichst viele Jahre zuverlässig genutzt werden können.

Deshalb gehört zu unserem Projekt auch die Qualifizierung technischer Mitarbeiter. Bei der ersten Übergabe wurden Beschäftigte der begünstigten Einrichtungen im Aufbau, in der Bedienung und in der Reparatur der Betten geschult.

Darüber hinaus verfolgen wir gemeinsam mit dem Holy Family Hospital in Berekum die Idee eines regionalen Wartungsstützpunktes. Dort können erfahrene Medizintechniker künftig auch kleinere Gesundheitseinrichtungen unterstützen, die selbst nicht über entsprechend ausgebildetes technisches Personal verfügen. Eine nachhaltige Verbesserung der medizinischen Versorgung entsteht nicht allein durch die Bereitstellung von Geräten und Ausstattung. Genauso wichtig sind fachgerechte Nutzung, regelmäßige Wartung und der Aufbau eigener technischer Kompetenzen vor Ort.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen – auch wenn es schwierig wird

Die Geschichte unseres Projekts „1Bed4All (II)“ zeigt, wie vielfältig die Herausforderungen internationaler Entwicklungszusammenarbeit sein können.

Auf der einen Seite stehen großartige Unterstützer wie die St. Vincenz Kliniken, Hartmann International und zahlreiche ehrenamtliche Helfer, die mit ihren Spenden und ihrer Arbeit die Grundlage für das Projekt geschaffen haben.

Auf der anderen Seite stehen unsere ghanaischen Partner, die den Bedarf kennen, die Verteilung organisieren und sich mit großem persönlichen Einsatz dafür engagieren, dass Hilfe tatsächlich ankommt.

Und dazwischen liegen manchmal Schwierigkeiten, die niemand vorhersehen konnte.

Wir möchten auch darüber offen berichten. Denn Entwicklungszusammenarbeit bedeutet nicht, ausschließlich Erfolge zu präsentieren. Sie bedeutet ebenso, Verantwortung zu übernehmen, Probleme transparent zu machen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Die Schwierigkeiten im Hafen von Tema sind für uns kein Grund aufzugeben. Sie bestärken uns vielmehr darin, langfristig zu denken, auf verlässliche Partnerschaften zu setzen und unsere Projekte auch unter schwierigen Bedingungen weiterzuverfolgen.

Denn am Ende geht es nicht um Container, Transportwege oder Verwaltungsverfahren.

Es geht um Menschen, die dringend ein Krankenhausbett benötigen – und um unsere gemeinsame Verantwortung, ihnen eine bessere medizinische Versorgung zu ermöglichen.