07.04.2026: Hinter den Kulissen

Heute waren wir wieder an die Mawuko Girls‘ Senior High School eingeladen. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Schulleiterin teilte sich das Team in zwei Gruppen. Während Thomas und Daniel mit dem ICT-Team (Lehrerinnen und Lehrer des Fachbereichs Informations- und Kommunikations-Technologien) arbeiteten, gingen Kerstin und Petra gemeinsam mit der Leiterin der „Home Economics“ (Hauswirtschaftsabteilung) über das Schulgelände.

Zuerst besuchten wir die Nähklasse, die bereits ihre Examensarbeit vorbereiteten. Wir durften wunderschöne selbstgenähte Kleider bestaunen. Die Mädchen nähen alle mit ihren privaten handbetriebenen Nähmaschinen. Entschließen sie sich für die Anmeldung in einer Schule mit dem Schwerpunkt „Home Economics“, so müssen sie eine Nähmaschine für etwa 1200 Cedis (entspricht etwa einem halben Monatsverdienst in Ghana) kaufen und mit in die Schule bringen. Alle Nähmaschinen, die wir gesehen haben, stammen aus China, Marke „Bird Fly“. Die schuleigenen Maschinen sind sehr alt und mittlerweile kaputt. Die einzige elektrische Nähmaschine wurde von einer Lehrkraft bedient, an die sich die Schülerinnen wandten, wenn sie mit ihrer Maschine nicht weiterkamen.

Danach besuchten wir den hiesigen Schulkiosk, dieser ist von 7 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. Die Schülerinnen können dort Süßigkeiten, Kekse, Wasser und Damenbinden kaufen. Direkt daneben befindet sich ein kleiner Platz, auf dem ortsansässige Händlerinnen ihr Essen an die Schülerinnen verkaufen, die nicht im Internat leben, sondern nach der Schule wieder nach Hause gehen. Der größte Teil der Mädchen erhält dagegen in der Schule drei Mahlzeiten. Diese werden alle in der Schulküche zubereitet. Die dort arbeitenden Frauen kochen in riesigen Bottichen das Essen und füllen es anschließend in Blechschüsseln ab, die hoch aufgetürmt bereitstehen.

Daniel und Thomas trafen sich mit 8 ICT-Lehrern und einer -Lehrerin im PC Lab (PC-Schulungsraum), um dort den Projektstatus und das weitere Vorgehen zu besprechen. Waren wir vergangene Woche noch geschockt, dass „unser“ Lab nicht mehr existierte, so waren wir umso erstaunter, dass es heute wieder voll eingerichtet war und von Schülerinnen benutzt wurde.

Vorher und nachher: Wir versuchen der ITC Abteilung zu verdeutlichen, wie wir uns eine Werkbank im Eingangsbereich des Informatik-Fachbereiches vorstellen

Insgesamt hatten wir ca. 2 Stunden Zeit, um uns mit den Teammitgliedern abzustimmen, wie wir uns die zukünftige Zusammenarbeit vorstellen. Wir verdeutlichten ihnen die Bedeutung ihrer Labs, denn im Endausbau haben sie mit 120 Rechnern eines der größten PC-Schulungszentren in Ghana. Wichtig und immer wieder für Erstaunen sorgten unsere Ausführungen zur Maintenance Culture (Wartungskultur), Reparatur und Lagerung. Dazu gehört zu uns ein funktionierendes Lager, über das wir lange diskutieren mussten, und auch der dazugehörende technische Arbeitsplatz.

Im Anschluss hatten wir noch ein kurzfristig anberaumtes Meeting mit „Pencil of Promises“, einer NGO, die Internetanschlüsse über den satellitenbasierten Anbieter „StarLink“ für Grundschulen anbietet. Zu unserer großen Überraschung tun sie dies auch in 2 High Schools, beide haben wir mit PC-Schulungsräume ausgestattet. Dabei war ein Auswahlkriterium das Vorhandensein einer funktionierenden IT-Infrastruktur. Diese haben wir offenbar sowohl in der Ola-Schule als auch in unserer Partnerschule Mawuko geschaffen. Ein Resultat dieses Meetings war, dass wir eine lose Zusammenarbeit vereinbarten, die in den nächsten Wochen noch spezifiziert werden muss.

Theodores Frau Cecilia und vier ihrer fünf Kinder vor ihrem kleinen Haus
In der Mother Florence Fiadonou Memorial Academy gibt es für die 36 Kinder zwei Klassenräume.

Gegen 17 Uhr kamen wir in der Nähe der „Market Street“ an, in deren Nähe Theodore mit seiner Frau und den fünf Kindern lebt. Ihn lernten wir vor einigen Jahren in einem Hotel in Ho kennen. Leider hat er während Corona seine Arbeit verloren. Für Arbeitslose in Ghana ist es sehr schwierig, eine neue Arbeitsstelle zu finden, somit versucht er seine Familie zurzeit mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. Seine Frau näht und kann Frauenkleidung nach ghanaischer und togolesischer Tradition herstellen. Die älteste Tochter besucht die wenige Meter entfernte Grundschule „Mother Florence Fiadonou Memorial Academy“. Dort werden 36 Schulkinder in zwei kargen Klassenräumen unterrichtet. Für jüngere Kinder gibt es eine Art Kindergarten. Dort arbeiten vier Lehrkräfte nur mit einer Tafel, für die die Regierung lediglich die Kreide stellt. Eine weitere Ausstattung ist nicht vorhanden. Laut Aussage des Schulleiters gäbe es hierfür keinerlei staatliche oder sonstige Hilfe. Wie sich diese Schule über Wasser hält, ist uns allen ein Rätsel.

Auf dem Weg zu den „Ke-Ke‘s“ (Motorrad-Rikschas) wurden wir von zahlreichen Kindern aus der Nachbarschaft begleitet, die uns nach Essen und Trinken fragten, was uns sehr berührte.

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