09.04.2026: Examensprüfung und unerwarteter Besuch an der Kpedze Senior High School
Heute Morgen nahmen wir ein reichhaltiges Frühstück (sogar mit Marmelade!) wieder im schönen Haus der Schulleiterin ein. Danach stellte Thomas uns und einem Teil des Schulleitungsteams einen Überblick über den Ablauf des Tages vor: Ein Workshop mit dem ICT-Department, den Thomas und Daniel vorbereitet hatten, und ein Rundgang / Hospitationen für die Lehrkräfte.
Bereits als wir auf das Schulgelände der Kpedze Senior High School gefahren waren, sahen wir eine Gruppe des Abschlussjahrgangs unter einem großen Mangobaum und einer Palme geschäftig mit Ton arbeiten. Später erfuhren wir, dass es sich hierbei um die Kunstabschlussprüfung handelt, bei der die Prüflinge des Fachbereichs „Visual art“ innerhalb von fünf Schultagen entweder eine selbst entworfene Maske aus Leder mit Hilfe von Tonmodellen, ein selbstdesigntes Küchensieb aus Ton oder ein Schachbrett erstellen mussten. Dabei fanden wir besonders spannend, wie konzentriert und kompetent die Schülerinnen und Schüler arbeiteten. Den Ton mussten sie übrigens nicht nur selbst ausgraben, sondern auch reinigen und luftblasenfrei für die weiteren Schritte vorbereiten. Die Zwischenergebnisse konnten wir bereits bestaunen.
Anschließend konnten wir auch an dieser Schule die Küche besuchen. Hier wird für über fünfhundert Schülerinnen und Schüler gekocht. Es gibt zwar ein neues Küchengebäude mit modernen Holzkochstellen, diese sind allerdings nicht funktionsfähig, weil der Rauch nicht abzieht. Leider werden dadurch die wunderschön gestalteten Kochstellen in Brand gesetzt. Auf eine Reparatur wird gewartet. Deshalb wird weiterhin in der alten Küche unter einem Wellblechdach gearbeitet.
Von einem der Assistenten der Schulleiterin erfuhren wir in einem Gespräch unter Bäumen, dass das hiesige Schulsystem eine zweijährige Vorschulzeit, eine sechsjährige Grundschule, eine dreijährige Junior High School und schließlich eine dreijährige Senior High School vorsieht. Bis zum Ende der Junior High School besteht eine Schulpflicht. Die Schülerinnen und Schüler sind dann 15 oder 16 Jahre alt. Mittlerweile müssen die Eltern für ihre Kinder an öffentlichen Schulen – selbst für eine Senior High School – kein Schulgeld mehr bezahlen. Der Staat übernimmt auch die Kosten für Unterkunft, Schuluniform und Verpflegung. Damit wird deutlich, wie wichtig für die Regierung von Ghana Schulbildung ist.
Bei der Anmeldung zu einer Senior High School wählen die Schülerinnen und Schüler einen Schwerpunkt aus z. B. Landwirtschaft, Hauswirtschaftslehre, … . Außerhalb des gewählten Schwerpunkts besuchen alle Schülerinnen und Schüler die Fächer Mathematik, Englisch, Sozialkunde und Naturwissenschaften.
Wirklich interessant fanden wir, dass es auch in Ghana ein Konzept für inklusiven Unterricht gibt – offiziell können alle Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen alle öffentlichen Schulen besuchen, jedoch fehlen oft Ausstattung und Personal. Lediglich für Taube und Blinde gibt es spezielle Schulen.
Nachdem uns hier wie auch an anderen Schulen Schilder zum Thema sexuelle Belästigung auffielen, fragten wir den Vertrauenslehrer der Schule, ob es hierzu spezielle Programme geben würde. Seit zwei Jahren müssten die Schulen ihre Schülerinnen und Schüler für dieses Thema mit einem speziellen Programm sensibilisieren, aufklären und stärken. An der Kpedze Senior High School werden sie von zwei externen Beratenden (Frau und Mann) unterstützt. Neben dem Vertrauenslehrer sei für Betroffene in diesem Zusammenhang auch die sogenannte Hausmutter eine Ansprechpartnerin.
Daniel und Thomas  haben derweil einen Workshop mit den ICT-Kollegen durchgeführt, den Sven mit seiner Kamera dokumentierte Das ZIel des Workshops war die Aufmerksamkeit der ICT-Abteilung auf die Wartung von Geräten, technischer Infrastuktur und Geräten zu lenken und einen konkreten Plan zu erarbeiten, wie die Wartung langfristig durchgeführt werden soll.
Am Nachmittag setzten wir unseren Workshop fort. Ziel war es die Ergebnisse des vorhergegangenen GEMBA-Walks zu priorisieren und danach nach bestimmten Kriterien zu sortieren. Dazu haben wir 3 Gruppen gebildet, die sich jeweils 5 Themenbereiche heraussuchen und nach bestimmten Kriterien bearbeiten sollten. Plötzlich wurde unsere Gruppenarbeit jäh unterbrochen. Der Parlamentsabgeordnete (MP) für den Bezirk „Ho Central“ Hon. Richmond Edem Kofi Kpotosu reiste zu unserer großen Überraschung extra aus Ho mit seiner Entourage an, um mit zu uns zu sprechen. Da wir mitten in der Gruppenarbeit waren, zögerten sie keinen Augenblick sich zu uns zu setzen und dem Workshop beizuwohnen. Die nächste Gruppenarbeit wollten wir dann dazu nutzen ausführlicher mit dem Member of Parlament zu sprechen.
Zuvor aber, wurden wir nochmals unterbrochen. 3 Uniformierte der Immigrationspolizei leisteten uns einen Besuch ab. Wir glaubten, dass sie sich für einen Vorfall, den wir am Vorabend erlebten, bei dem wir sehr rüde kontrolliert wurden, entschuldigen wollten. Doch weit gefehlt, sie kamen , um unseren Aufenthaltsstatus zu überprüfen. Recht schnell bemerkten sie jedoch, dass sie damit einen Schritt zu weit gegangen waren. Die Head Mistress und einige Kursteilnehmer ließen sich überhaupt nicht einschüchtern, sondern reagierten mit Empörung. Erst später verstanden wir die Tragweite ihres Handelns. Die Migration Officers haten schon morgens um 6 versucht, unsere Unterkunft aufzusuchen. Unsere resolute Gastgeberin ließ sich darauf jedoch nicht ein und schickte sie wieder weg. Darauf hin informierte sie unsere gastgebende Schule, die wiederum bei verschiedenen Stellen vorstellig wurde, dass dies ein unmögliches Verhalten gegenüber ihrer geschätzten Gäste sei. Am Abend rief dann Head Mistress Rita einen der leitenden Kräfte dieser Polizeieinheit an, und klärte die Sache in unserem Sinne. Von nun an sind wir auch willkommene Gäste dieser Spezialeinheit.
Wichtiger Nachtrag: Seit Dienstagabend ist Sven Teil unserer Gruppe. Er ist Dokumentarfilmer und vervollständigt seinen bereits im letzten Jahr begonnenen Film „1Bed4All“ über das Projekt von HITA (siehe Bericht auf dieser Homepage).
Nächster Artikel: folgt 🙂
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