24.04.2024: Ein riesengroßes Wunder

Nach 27 unendlich langen Tagen des Wartens in Ghana ist doch noch ein Wunder eingetreten. Unser Container ist heute Nachmittag gegen 15.00 Uhr tatsächlich im Lager unseres Agenten eingetroffen. Es ist nicht zu fassen! Wir hatten alles perfekt geplant; den Container haten wir mit reichlich Vorlauf rechtzeitig losgeschickt, um genügend Puffer zu haben, falls irgendetwas länger dauern sollte als geplant. Wir sind zu 6 nach Ghana gereist, um genügend „women- und men-power“ fürs Ausladen, Kommissionieren, Versenden und Installieren zu haben. Zunächst führte der Irankrieg zu unerwarteten Verzögerungen, dann waren wir von einem Hafenarbeiterstreik betroffen, der vier Tage Stillstand im Hafen bedeutete. Nach all diesen Verzögerungen waren wir immer noch zu dritt, um alles irgendwie hinzubekommen. Wir haben jeden Tag einen neuen (Notfall-)Plan gemacht, um für alles gewappnet zu sein. Schließlich musste Thomas frühzeitig abreisen – wir waren aber trotzdem noch guter Hoffnung, dass wir dann zu zweit das Nötigste noch irgendwie hinbekommen. Dann verging die Zeit wie im Fluge. Jeden Tag eine neue Hiobsbotschaft aus dem Hafen: ein Dokument fehlte angeblich, dann musste noch ein Foto her, immer neue Rechnungen mussten beglichen werden. Wir waren uns nicht mehr sicher, ob das alles mit rechten Dingen zugeht. Und jetzt? 30 und eine halbe Stunde vor unserem Abflug ist der Container tatsächlich da!

Wir schaffen das! Ausladen auf afrikanische Art und Weise.

Wir kennen das Tragen von Lasten auf dem Kopf, wie es in vielen afrikanischen Regionen praktiziert wird, bei uns in Europa eigentlich nicht. Eine solche Lastverteilung bietet vor allem extreme Energieeffizienz und praktische Vorteile im Alltag. Wissenschaftliche Studien, etwa zu Frauen der Luo und Kikuyu in Ostafrika, zeigen faszinierende biomechanische Effekte:

  • Energieersparnis („Free Ride“): Geübte Träger*innen können bis zu 20 % ihres Körpergewichts transportieren, ohne mehr Energie (Sauerstoff) zu verbrauchen als beim normalen Gehen ohne Last. Bei schwereren Lasten ist der Energieaufwand immer noch deutlich geringer als beim Tragen auf dem Rücken. Ein großer Vorteil bei den üblichen klimatischen Bedingungen.
  • Biomechanik und Pendelbewegung: Die Effizienz rührt daher, dass die Last direkt über der Wirbelsäule zentriert ist. Erfahrene Trägerinnen oder Träger nutzen eine fließende Gangart, bei der die Hüften die Auf-und-Ab-Bewegung der Last minimieren, was die gespeicherte Bewegungsenergie optimal nutzt.
  • Freie Hände: Diese Technik ermöglicht es, die Hände für andere Aufgaben frei zu haben – etwa um mit den Händen etwas anderes zu tragen, Waren zu halten oder Werkzeuge zu benutzen.
  • Körperhaltung: Ein oft genannter Nebeneffekt ist eine extrem aufrechte Körperhaltung und ein gestärktes Gleichgewichtsgefühl, da der Kopf für die Balance absolut gerade gehalten werden muss.
  • Praktischer Nutzen: In Regionen ohne gut ausgebaute Infrastruktur oder Fahrzeuge ist das Kopftragen oft die einzige effiziente Methode, um schwere Güter wie Wasser, Feuerholz oder Marktwaren über weite Strecken zu transportieren (vgl. https://scielo.org.za/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S2226-72202022000100055 und https://www.facebook.com/groups/1198050511591345/posts/1495503511846042/).

Auch unsere Helfer wandten diese Technik an, um die vielen Kisten schnell zu entladen.

Ein Teil des Zwischenlagers in Accra. Hier wurden die Spenden sortiert und für den Weitertransport vorbereitet.
Es ist geschafft, der Container ist leer und alles steht zum Kommissionieren bereit.

Über Nacht wurden alle Spenden noch den jeweiligen Empfängern zugeordnet und nach ihrer Hauptdestination aufgeteilt. Ein Teil wird morgen mit Sven und Daniel auf die Reise in die Volta-Region gehen. Über den PArlamentsabgeordneten für den Bezirk Ho Central bekommen wir einen Bus zur Verfügung gestellt. Zwei seiner Mitarbeiten packen bis tief in die Nacht mit an, um einen ordentlichen Teil der Güter gleich wieder zu verladen. Es ist 0:30 Uhr. Alle sind müde, verschwitzt und glücklich. Jetzt geht es kurz in das Hotel. Es wartet eine Dusche und eine kurze Nacht auf das Team.

Da wir unmöglich alle Spenden während dieser Reise noch persönlich verteilen können, haben wir ein Zwischenlager organisiert, in dem wir unsere Spenden eine Zeit lang einlagern können. Wir halten Sie – hier auf diesen Seiten – auf dem Laufenden, wie es mit den Sachen weitergeht.

Es ist unglaublich. Wir haben es tatsächlich geschafft. Nach wenigen Stunden ist der Container entladen. Alles Paletten sind angekommen und stehen zur Verteilung bereit. Morgen früh gegen 4.00 Uhr geht es weiter – nochmals in die Voltaregion. Es bleiben uns rund 2 Stunden Schlaf. Drückt uns die Daumen, dass alles gut geht und wir die Sachen für die Voltaregion morgen noch größtenteils persönlich übergeben bekommen…

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