21.04.2026: Ghana – ein Land der Gegensätze

Die Vorbereitungen für die Installation der HITA PC Labs laufen auf Hochtouren. Wir sind täglich mit den IT-Teams der Partnerschulen im Austausch, um Details und den weiteren Ablauf zu klären. Leider zieht sich jetzt die Freigabe des Containers aus dem Hafen in Tema wie ein Kaugummi. Auch heute gab es wieder unzählige Telefonate. Da unsere verbleibende Zeit knapper und knapper wird, heißt es jetzt, die Verteilung und den Transport so gut es geht vorzubereiten, Checklisten zu vervollständigen und die detaillierte Beschriftung der Kisten mit Computern, Lehrmaterial oder Nähmaschinen sicherzustellen.

Nach einem weiteren Bürotag fahren wir zum Abendessen an den Strand. Von der Hauptstraße geht es weiter auf einer Schlaglochpiste. Die Hauptstraßen in Ghana werden gerade mit großem Einsatz in mehrspurige Autobahnen ausgebaut – mit kreuzungsfreien Verkehrsknotenpunkten durch riesige Brückenbauwerke. Hier benötigen wir jedoch für 6 Kilometer mit dem Taxi rund eine halbe Stunde. Am Wochenende ist hier Hochbetrieb.

Fischerboote inmitten von Plastikmüll am Strand. Im Meer baden Menschen wo einige Kilometer weiter giftigste Abwässer ungeklärt in der Ozean fließen.

Die Straßen, die durch einfachste Wohnviertel führen, sind gleichzeitig der Weg zu einigen der schönsten Strände von Accra. Restaurants und Beachressorts laden zum Genießen ein.

So traumhaft die Kulisse wirkt, so ernüchternd ist die Realität: Kronkorken werden von der Bedienung am Strand bei Reinigen des Tisches einfach in den Sand gewischt. Fischerboote stehen inmitten von Plastikmüll. Plastik, das gleichzeitig ihre Existenzgrundlage bedroht. Noch ernüchternder sind für mich die unsichtbaren Gegensätze: Im Meer baden Menschen und rund 10 Kilometer weiter fließt ein Giftstrom am Rand der Innenstadt von Accra in’s Meer. Die riesige Müllhalde von Agbogbloshie (wir berichteten) erstreckt sich über mehrere Kilometer entlang des Flusses Odor. Hier landen jährlich Millionen Tonnen Elektroschrott aus Europa, Amerika und Australien, auf, mit und von denen zehntausende Bewohner leben.

Die Hauptverkehrsadern von Ghana werden massiv ausgebaut. Hier ein gigantisches Brückenbauwerk auf der "N1".
Nightlife am Strand - die Bedienung wischt Kronkorken von unserem Tisch ganz selbstverständlich in den Sand.

Wir verlassen das Lokal mit gemischten Gefühlen. Hinzu kommt noch, dass unsere Rechnung am Ende nicht dem entspricht, was auf unserer Karte stand. Ghana kämpft aktuell mit einer hohen Inflation. Preise auf Speisekarten sind häufig notdürftig überklebt – leider meist unvollständig. Das ist uns auf dieser Reise schon einmal passiert. Alles schön und gut. Und es würde sich mit einem kurzes Hinweis bei der Bestellung regeln lassen. Statt dessen erfahren wir als Entschuldigung eine resignierend wirkende Gelassenheit, die sich so mit der Herzlichkeit und dem Stolz der Ghanaer widerspricht: „Ja, wir verwenden die alten Karten, aber die alten Preise verwenden wir nicht mehr.“ Wenn es doch immer so einfach wäre…

Nächster Artikel: folgt 😊
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Früherer Artikel zur Elektroschrottmüllhalde von Agbogbloshie: 19.01.2025 – Licht und Schatten in Accra
Wikipedia-Artikel (externer Link) zu Agbogbloshie: Elektronikschrottverarbeitung in Agbogbloshie – Wikipedia