30.03.2026: Ein herzlicher Empfang in Awudome-Tsito
Nach einer für einige unruhigen Nacht mit wenig Schlaf und einem Gecko als Untermieter in einem Zimmer wollten wir eigentlich um 7.30 Uhr frühstücken. Allerdings war das Personal auf Grund eines „Programms“ (s. Feier zum Palmsonntag) noch nicht am Start.
Kenneth holte uns um kurz vor neun ab und fuhr uns mit dem Pickup zur Awudome Senior Highschool. Dort wurden wir herzlich von Ernestina empfangen, die seit Bestehen dieser Schule vor gut 60 Jahren, die erste Frau als Schulleiterin ist. Ernestina ist sehr erfolgreich in ihrem Beruf und wurde mit der Übernahme der Leitung beauftragt, weil die Schule vor großen Herausforderungen steht und sie eine kompetente Leiterin mit kollegialem Führungsstil ist, welche die Schule unseres Erachtens nach gut gebrauchen kann. Übrigens war Ernestina vor gut dreißig Jahren selbst Schülerin dieser Schule.
Einer ihrer Bekannten, der ebenfalls aus Awudome stammende Emmanuel Kwasi Bedzrah, der ein Abgeordneter des Parlaments ist, wurde von ihr zu einem informellen Treffen eingeladen. Er erklärte sich gleich zu einem weiteren Austausch bereit, um zu besprechen, wie er die Arbeit von HITA unterstützen kann. Vielleicht klappt so auch eine Freigabe des Containers mit den Krankenhausbetten, der seit drei Jahren noch immer Hafen von Accra steht. Das wäre wirklich toll!
Im Anschluss wurden wir zum Frühstück sowie später auch zu einem köstlichen Mittagsessen eingeladen. Danach lernten wir die Mitglieder des Schoolboards der Awudome Senior Highschool kennen. Bei dem intensiven Austausch ging es zum Beispiel um die Frage, welche Vorstellungen/Ideen/Pläne das Schulleitungsteam für die Schule hat und wie in diesem Zusammenhang eine nachhaltige Kooperation zwischen HITA und der Schule aussehen kann. Dabei wurde deutlich, dass die IT eine herausragende Rolle sowohl in der Verwaltung als auch im Unterricht spielen wird. Um dies zu konkretisieren, wird morgen ein Workshop stattfinden, dessen Ergebnisse als Grundlage für den geplanten MOU dienen soll.
Bei einem Rundgang durch die Senior Highschool erfuhren wir, dass hier über 3000 Schüler und Schülerinnen beschult werden. Auf Grund dieser hohen Schülerzahl werden die Jugendlichen ab 14 Jahren in drei Schichten unterrichtet. Das bedeutet, dass zurzeit 2000 Schülerinnen und Schüler für drei Monate (manchmal auch viel weniger) vor Ort in der Schule sind. Der übrige Teil ist dann mit Arbeitsaufträgen zu Hause und muss eigenständig lernen. Der Tagesablauf in der Schule ist eng getaktet. Das Wecken finden bereits um 4.30 Uhr statt. Die Schülerinnen und Schüler nutzen die Zeit vor dem Unterricht bereits zum eigenständigen Lernen, Erledigen von Hausaufgaben usw. Die erste Schulstunde beginnt um 6.30 Uhr und endet um 8 Uhr. Dem folgt das Frühstück mit weiteren Unterrichtsstunden inklusive einer 40minütigen Mittagspause bis 16.30 Uhr. Die Schüler und Schülerinnen arbeiten anschließend weiter. Um 21 Uhr müssen sie in ihren Schlafräumen sein, denn um 22 Uhr beginnt die Nachtruhe.
Folgende Bereiche wurden uns gezeigt: zwei Computerräume, ein Kunstraum, und zwei naturwissenschaftliche Räume (Biologie und Chemie). Ausgelegt waren sie einst für einen prinzipiell experimental orientierten Unterricht, nur leider kann dieser nicht stattfinden, weil z.B. fließendes Wasser, Strom- oder Gasanschluss nicht existieren. Auch gibt es kaum Unterrichtsmaterialien. Überrascht waren wir über die im Kunstraum ausgestellten kreativen Arbeiten im plastischen Bereich z.B. bei den Tonarbeiten.
Im IT-Trakt gibt es einen komplett ausgestatteten Computerraum, allerdings nur mit 40 Plätzen. In den Klassen befinden sich jedoch durchschnittlich 50 Schüler und Schülerinnen. Das neu einzurichtende Computer-Lab muss noch weiter vorbereitet werden, bevor die Computer aus dem Container dort installiert werden können.
In der Verwaltung wurde deutlich, dass trotz fehlender Computertechnik die Mitarbeiterinnen ein bemerkenswertes System zur Registrierung und Verwaltung der Schülerschaft gefunden haben. Geordnet werden die Akten nach Fachbereichen (z.B. Betriebswirtschaft), nach Eingangsjahrgang und dem Alphabet.
In der Krankenstation lagen einige Jugendliche auf Matratzen auf dem Boden in einem ungekühlten Raum. Die beiden Krankenschwester verfügen kaum über Medikamente, z.B. Infusion bei hohen Fieberschüben auf Grund der gehäuften Malaria- und Typhuserkrankungen. Es gibt kein einziges Fieberthermometer. Auch leiden viele Jugendliche unter Hauterkrankungen auf Grund der Wasserqualität.
Achtzehn besonders leistungsstarke Schüler und Schülerinnen erhalten zusätzliche Unterrichtsstunden in Mathematik und den Naturwissenschaften in einer gemeinsamen Lerngruppe.
Sowohl die 800 Jungen als auch die 1200 Mädchen sind in fünf Häuser mit zehn Schlafräumen für je 40 Jugendliche oder noch viel mehr untergebracht. Die Schlafräumlichkeiten sind extrem beengt, besonders bei den Mädchen. Auch in dieser Schule sind Bettwanzen ein massives Problem. Zu den sanitären Anlagen müssen die Schüler und Schülerinnen auch nachts über das Schulgelände laufen.
Wir alle sind hin- und hergerissen, ob der erkennbaren Möglichkeiten und Chancen des Lernens und den real extrem schwierigen Bedingungen.
Zum Ausklang des Tages dachten wir darüber nach, wie der morgige Workshop mit den Lehrkräften aussehen kann. Geplant ist, dass gemeinsam dazu gearbeitet werden soll, wie eine gelingende Schulpartnerschaft für diese Schule aussehen könnte.
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