18.04.2026: Treffen mit Projektpartnern in Accra
Der Tag heute begann wieder mit einem leckeren Frühstück im Hotel. Da wir heute zwei Meetings anberaumt hatten, wollten wir früh dran sein, weil wir vor den Meetings die Zeit noch für andere Arbeiten nutzen wollten. Wir hatten gestern unser Frühstück bestellt und bewusst keine Änderungen vorgenommen, um sicher zu sein. Leider hatte das heute gar nicht geklappt und wir mussten fast eine Stunde auf unser Frühstück warten. Offensichtlich war die Küche nicht darauf eingestellt, dass außer uns drei noch viele andere Gäste ein Frühstück haben wollten.
Als wir endlich dran waren, dachten wir, dass wir uns sehr beeilen mussten, weil unser erster Termin bereits anstand. Zum Glück hatte sich auch dieser erheblich verspätet, so dass wir noch genügend Zeit hatten, unsere geplanten Arbeiten abzuschließen. „Ghana Time“ nennt man das. Mit „Ghana Time“ (oft auch humorvoll als „GMT“ – Ghana Man Time oder Ghana Mean Time bezeichnet) ist ein umgangssprachlicher Begriff für eine entspannte Haltung gegenüber Pünktlichkeit und Zeitplänen in Ghana. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Verzögerungen sind in Ghana normal: Es wird erwartet, dass Veranstaltungen, Treffen oder Verabredungen nicht exakt zur vereinbarten Zeit beginnen, sondern oft deutlich später. Dahinter liegt auch ein kulturelles Konzept: Es handelt sich um ein Verständnis von Zeit, das weniger streng und eher flexibel ist als in westlichen Kulturen. Zusammenfassend bedeutet „Ghana Time“, dass man geduldig sein sollte und Pünktlichkeit nicht als absolute Notwendigkeit betrachtet wird. Heute waren wir Nutznießer der „Ghana Time“.
Unser erstes Treffen war mit Emmanuel, dem ICT-Leiter der Greenfield University, der neuen Wirkungsstätte unserer guten Freundin, Prof. Prudence, der Grande Dame, der Ghanaischen Krankenschwester und Hebammenausbildung. Mit ihr arbeiten wir schon seit vielen Jahren intensiv zusammen. Mit Emmanuel erläuterten wir unseren „Notfallplan“, nämlich die Installation eines HITA-PC-Labs, ohne dass wir die Örtlichkeiten begutachten konnten. In den letzten Tagen hatten wir dazu unserer Instruktionen überarbeitet, die Verträge angepasst und Checklisten erstellt, die es uns erlauben, auch ohne zuvor durchgeführte Assessments, einen ordnungsgemäßen Gebrauch unserer gespendeten Rechner zu gewährleisten. Zu unserer großen Freude verstand Emmanuel die Besonderheit unserer Notsituation sofort und wirkte pro-aktiv an der Festlegung der nächsten Schritte mit. Auch unsere schon häufiger erwähnte und noch mehr geforderte „Wartungskultur“ scheint für ihn nichts Unbekanntes zu sein, hat er doch selbst schon einige Anstrengungen unternommen und z.B. Gründe für das Nichtfunktionieren einiger Rechner notiert. Wir hatten ein äußerst produktives Arbeitstreffen mit ihm und freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit mit ihm.
Unser nächstes Treffen war mit unseren guten Bekannten der Akili-Foundation, die wir seit letztem Jahr unterstützen. Da wir genau wissen wollten, was sie mit unseren gespendeten Computern tun, hatten wir eine Art kurzes Review-Meeting angesetzt. Es war hochinteressant von den Nöten einer kleinen aber überaus engagierten Stiftung zu hören. Zum Teil war es erschreckend zu erfahren, mit welchen Argumenten Entscheidungsträger spannende Projektideen verhindern. Nur ein Beispiel sei an dieser Stelle erwähnt: offizielle Stellen verhinderten den Einsatz von Laptop-Computern bei Kindern mit dem Argument, dass die Kinder von zu viel Bildschirmzeit geschützt werden sollen. Gleichzeitig gibt dieselbe Behörde hunderttausende von kleinen Tablets für Schülerinnen und Schüler frei. Leicht sarkastisch beschrieben unsere ghanaischen Kollegen dieses Verhalten mit „office politics“.
Wie fast jeden Tag gönnen wir uns am Nachmittag köstliches marktfrisches Obst, welches man überall entlang der Straßen sehr günstig einkaufen kann. In Ermangelung des richtigen Werkzeuges, baten wir jeweils das Küchenpersonal, uns die Früchte zuzubereiten. Die Ernte von Früchten ist ein zentraler Pfeiler der ghanaischen Landwirtschaft. Sie bringt eine Vielzahl tropischer Früchte, u.a. Ananas, Mangos, Bananen, Papaya, Kochbananen, usw. hervor. Der Anbau reicht von kleinen bäuerlichen Betrieben bis hin zu größeren Plantagen, wobei der ökologische Anbau auch in Ghana an Bedeutung gewinnt. Große Probleme bereiten jedoch Nachernteverluste, die durch eine unsachgemäße Lagerung und Transport entstehen. Diese führen oft zu hohen Verlusten nach der Ernte. Auch eine weitere Verarbeitung im Lande ist nur vereinzelt möglich. Es gibt in Ghana kaum Lebensmittelfirmen, die die Verarbeitung dieser Früchte zum Ziel haben. Eine mögliche Wertschöpfung durch eine Weiterverarbeitung kommt an dieser Stelle zum Erliegen – leider! Uns sind keine ghanaischen Marmeladen, Obstsäfte oder andere verarbeitete Lebensmittel bekannt.
Nachdem wir gerade von einer weiteren Verzögerung im Hafen erfahren haben, das Containerschiff kann jetzt doch erst am Sonntag, den 19.04. um 10.30Uhr anlegen, um entladen zu werden. Für heute können wir nichts mehr tun. Wir sind nervlich fast am Ende und halten die Spannung kaum mehr aus. Hoffentlich gibt es morgen bessere Nachrichten.
Nächster Beitrag: folgt 🙂
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