17.04.2026: Ein Arbeitstag in Accra
Wir sind mittlerweile in einem Hotel in einem wohlhabenden Vorort von der Metropole Accra gelandet. Dieser Vorort spiegelt die Entwicklung der Hauptstadt Ghanas sehr gut wider. Einerseits gibt es hier durch Stacheldraht gut geschützte große Villen, andererseits auch noch kleine Wellblechhütten von weniger gutverdienenden Menschen, die sich den verbleibenden Platz mit den übrigen Bewohnern teilen müssen.
Accra ist schon heute einer der wichtigsten Städte Afrikas. Dort lebten 2020 bereits offiziell 4,8 Millionen Menschen, wobei die eigentliche Einwohnerzahl durch die vielen statistisch nicht erfassten Menschen noch wesentlich höher sein wird.  Accra (und Ghana) ist schon heute dank seiner politischen Stabilität, zusammen mit Lagos, die wichtigste Metropole Westafrikas. Diesen Wettlauf besteht sie auch demographisch: Im Jahr 2043 wird die Stadt voraussichtlich 10 Mio. Einwohner erreichen und wird somit „Megastadt“. Interessant ist auch der Flächenverbrauch von Accra heute (Stand 2020) mit 1.380 km² – als Folge der (für afrikanische Verhältnisse) guten Wirtschaftsentwicklung, bei der weite Teile der (auch ärmeren) Bevölkerung in Eigenbauweise ihre Familienhäuser auf breiter Fläche errichtet haben, wie wir das auch in „unserem“ Stadtteil festgestellt haben. Auch dort wohnen viele ehemalige Auswanderer aus Ghana, die wieder nach Accra heimkamen. Sie bauten dort nach Vorbild vieler anderer Weltstädte – in denen sie gelebt hatten – ihre eigene afrikanische Weltstadt (vgl. https://www.metropolen-der-zukunft.com/de/stadt/415).
Unser Stadtteil „West Hills“ zeigt aber auch eine andere, sehr unschöne Entwicklung dieser Verstädterung. Manche der Villen liegen direkt an einem Naturschutzgebiet und haben einen wunderschönen Blick auf einen sich mäandernden Fluß. Am Horizont sieht man aber schon die andere Seite des Fortschritts: eine riesige Müllhalde und am Rande dieser Halde Hütten, in denen Menschen wohnen, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, noch Brauchbares aus diesem Müll zu sortieren.
Während wir mittlerweile in Europa überlegen, wie wir – trotz weitreichender Hygienevorschriften – auf Einwegverpackungen verzichten können, scheint der Höhepunkt dieser Entwicklung in Ghana noch bevorzustehen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Nestlè-Produkte auf dem Frühstückstisch.
Unser Tagesablauf war geprägt von der Unsicherheit mit dem Container. Den ganzen Tag hatten wir auf positive Nachrichten aus dem Hafen gewartet. Leider kam diese – wie schon befürchtet – wieder nicht. Im Hafenbüro war augenscheinlich den ganzen Tag niemand zu erreichen. Erst am Abend erhielten, wir nach vielen Kontaktaufnahmen wieder eine Nachricht: angeblich kommt jetzt unser Container am Montag „frei“.
Das Containerschiff liegt nach wie vor außerhalb des Hafens vor Anker und wartet auf Entladung. Wann unser Container dann tatsächlich aus dem Zollhafen abgeholt werden kann, bleibt weiterhin offen! Wir hoffen sehr, dass sich unser Warten gelohnt hat, und dass wir ab Montag endlich mit der Kommissionierung und der anschließenden Verteilung beginnen können.
Wir versuchten trotzdem, konzentriert an unseren „Notfallplänen“ zu arbeiten. Was passiert, wenn dies oder das eintrifft? Welche Alternativen haben wir, wenn der Container spät oder nicht mehr rechtzeitig aus dem Hafen kommt? Fragen über Fragen, die unterschiedliche Maßnahmen zur Folge haben. Weil uns buchstäblich die Zeit davonläuft, mussten wir unsere eigentliche Verteilung modifizieren und den neuen Voraussetzungen anpassen. Dies wiederum hat zur Folge, dass Packlisten neu geschrieben werden mussten und Verträge neu aufgesetzt werden müssen. Es ist zum Verzweifeln! Bitte drückt uns den Daumen, dass der Worst Case nicht eintritt und wir den Container noch während unseres Aufenthaltes in Empfang nehmen und die Spenden wie geplant verteilen können.
Morgen, am Samstag, werden wir diverse Personen treffen, um unter anderem den weiteren Verteilungsprozess zu besprechen. Außerdem werden wir auch mit unseren Projektpartnern der Akili-Foundation besprechen, wie es mit unserer Zusammenarbeit weitergeht. Wir freuen uns sehr, unsere Freunde wieder zu sehen.
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