22.04.2026: Eine Reise durch Raum und Zeit

Für uns von HITA kommt es vor, wie eine Ewigkeit. Ich bin mir sicher, für den durchschnittlichen Ghanaer dauert es nicht mal halb so lange. Wir warten noch immer darauf, dass der Container aus dem Hafen „herauskommt“. Erst die Verzögerung mit den Schiffsfahrplänen, dann die Warterei während das Schiff in Tema vor Anker lag und jetzt: Jetzt dauert es nochmal eine gefühlte Ewigkeit, bis der Container erfasst, bearbeitet und bewertet ist, bevor er an uns ausgehändigt werden kann.

Für unsere Partner in Ghana scheint das ganz normal zu sein. Warten und Unvorhergesehenes gehören hier zum Alltag. Aus fünf Minuten werden schnell mal eineinhalb Stunden. Aus ein paar Tagen Monate, wenn nicht sogar Jahre. Alles wird mit einer gewissen Gottesfürchtigkeit und Zuversicht genommen – Wir beten, dass alles klapp. Gott hat es in der Hand – hören wir regelmäßig.

Für unser Team aus Deutschland ist das manchmal kaum auszuhalten. Das Frühstück ist für 8:00 Uhr vereinbart und zugesichert. Am Morgen tut sich bis halb neun erstmal gar nichts. Dann kommt, ganz selbstverständlich, die Küchenfee mit einem Tablett und (manchmal) mit einem Lächeln und stellt wortlos das Tablett auf den Tisch. Genauso ist es bei der Essensbestellung: Eile ist hier fehl am Platze. Es dauert immer mindestens eine Stunde, bis das Essen (egal, wie aufwändig) serviert wird.

Bei Entfernungen verhält es sich ähnlich. Es sind nicht die Kilometer entscheidend, sondern die Zeit, die man benötigt, um von A nach B zu kommen. Für die rund 30 Kilometer bis zum Hafen in Tema benötigen wir über 90 Minuten. Das ist ganz normal. Der Zustand der Straßen ist ebenso wenig vorhersehbar, wir der Verkehr. Die Hauptstraße zum Hafen ist gesät mit Schlaglöchern. Umleitungen werden einfach durch die Pampa gelegt. Der Zustand des Weges spielt hier keine Rolle. Es gibt keine Alternative.

Autofahren ist in Ghana eine Herausforderung: Schlaglöcher und unübersichtlicher Verkehr wechsln sich mit Staus und Straßenverkäufern ab.

Dementsprechend funktioniert auch der lokale Personenverkehr. Meist werden längere Strecken in uralten Kleinbussen zurückgelegt. Die Hecktüren sind mit Seilen gesichert. Säcke quellen heraus oder sind noch zusätzlich auf dem Dach befestigt. In Deutschland ein 9-Sitzer, passen in Ghana locker 15 Personen in einen Sammeltransport. Lokal werden Taxis mehr und mehr von preisgünstigen Tuk-Tuks (hier häufig: Ke-Ke) verdrängt. Diese funktionieren wie Sammeltaxen: Man zahlt innerhalb eines Ortes einen festen Betrag. Auf dem Weg werden weiter Fahrgäste eingesammelt und auch wieder herausgelassen. In unwegsamem Gelände empfehlen sich Motorräder oder – wenn das Kleingeld stimmt – allradangetriebene Pick-Up’s. Wir haben das Glück, dass wir meist von Schul- oder Universitätsfahrens befördert werden, die ein solches Gefährt für unwegsames Terrain zur Verfügung haben.

In Innenstädten lösen sogenannte Tuk-Tuks die klassischen Taxen ab - sie sind günstig und flexibel einsetzbar
Für längere Strecken nutzt man in Ghana Kleinbus-Sammeltaxen. Meist sind sie gut gefüllt und quellen wortwörtlich über.

Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass ein einfaches Gefährt diese Straßen nicht meistert. In unwegsamstem Gelände sind uns schon Tuk-Tuks oder alte Opel Astra begegnet, die sicher bereits ihre 40 Jahre auf dem Buckel haben. Gefahren werden die Fahrzeuge, bis sie auseinanderbrechen.

Nächter Artikel: folgt 🙂
Vorheriger Artikel: 21.04.2026: Ghana – ein Land der Gegensätze