Der Countdown läuft: 7.400 km – Bis ans Limit und wieder zurück

„Ich bin fit, ich hab Bock“

Hannes hat sich viel vorgenommen. Der gebürtige Zittauer lebt aktuell in zwei Welten, der quirligen lauten Metropole Berlin und dem beschaulichen sächsischen Zittau. Zwischen Zittau und Berlin sind es 294 km. Das Rennen, auf das er sich gerade vorbereitet, wird 25mal so lang sein. Es ist das Northcape-Tarifa-Rennen, das vom Nordkap, quer durch Finnland, über die baltischen Länder, Polen, Deutschland, Tschechien, Österreich, Italien, Frankreich und Spanien führt. Es sind insgesamt 15 Länder und eine Distanz von 7.400 km. Und jetzt, am 20. Juni, geht es los. Hannes fährt das Rennen auch für HITA. Wir haben mit Hannes gesprochen.

 

Hannes, wie bist Du denn auf die Idee gekommen?

Die Idee entstand vor zwei Jahren. Ich habe schon mal ein Ultra-Distanz-Rennen gemacht und dann war der Reiz da. Ich wollte noch etwas Größeres machen. Dabei wollte ich in Europa bleiben und so kam ich auf das Northcape-Tarifa-Rennen. Das es das längste Rennen der Welt ist, war mir gar nicht so bewusst. Letztes Jahr im August habe ich mich angemeldet. Im Januar 2026 entstand dann die Idee von dem Film, gemütlich bei dem Geburtstag von dem Sohn meines Cousins. „Warum macht ihr nicht einen Film“ – ja warum eigentlich nicht. Ferdinand begleitet mich jetzt mit seiner Kamera ein Jahr. Und ich glaube, dass wir dann in dem Film ergründen, warum ich das mache.

Das ist Hannes

Es sind noch 2 Tage bis zum Startschuss um 0.01 Uhr. Wie hast Du Dich vorbereitet?

Ich habe seit Februar tatsächlich ein Trainer-Team, was mich unterstützt. Sie bereiten mir Wochenpläne vor. Dazu gehören auch eine Ernährungsberatung und ein mentaler Coach. Und so fahre ich natürlich viel Fahrrad. Ich gehe aber auch viel Schwimmen, mach Krafttraining und schaue auf mein Gewicht. Ich habe sogar ein bisschen abgenommen, damit ich auf dem Fahrrad ein bisschen leichter bin. Aber ich brauche auch einige Fett-Reserven. Blöd ist, dass ich gerade auch auf einige soziale Kontakte verzichten muss. Ein Abend in der Kneipe mit Freunden ist gerade nicht drin. In Summe muss ich sehr diszipliniert sein. Aber ehrlich, kleine Ausnahmen gibt es schon.

 

Das klingt nach einer sehr enthaltsamen disziplinierten Zeit. Ist denn bei der Vorbereitung bisher alles glatt verlaufen?

Ich nehme mir viel vor. Aber es passieren eben auch unerwartete Dinge. Ende April hatte ich eine Fußverletzung. Mein Sohn und ich haben ganz wild Fußball gespielt. Tja und so habe ich eine Trainingswoche verloren. Ich war so down, dass ich fast das ganze Projekt hab wegfliegen sehen. Aus diesem Tief habe ich mich aber auch wieder rausgekämpft. Ich fühle mich jetzt echt stark. Ich bin fit und ich hab Bock. Letzte Woche bin ich von Berlin nach Wien mit dem Fahrrad gefahren. Das waren insgesamt 640 Kilometern. Der Test ist gut gegangen.

 

7.400 Kilometer im Sattel. Das ist für viele unvorstellbar. Wie lange wird das Rennen dauern und was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Das Rennen wird zwischen 3 und 4 Wochen dauern. Ich schätze so 24 oder 25 Tage. Ich werde im Schnitt in etwa 300 Kilometer am Tag fahren. Das sind dann 15 bis 17 Stunden im Sattel jeden Tag. Und dann kommen so 1 bis 2 Stunden Pausen dazu. Ich rechne also mit Sitzproblemen und ehrlicherweise auch Schlafproblemen. Der größte Gegner wird die Müdigkeit sein. Ich werde so maximal 5 bis 6 Stunden schlafen und ansonsten werde ich auf dem Fahrrad sitzen. Man kann sich in Teilen vorbereiten, aber eben nicht auf alles. Dann ist es immer eine Frage, wie man damit umgeht. Aber das macht ja auch das Rennen aus.

Hannes ist hoch motiviert

Und das alles stehst Du dann ganz allein durch?

Es gibt insgesamt maximal 100 Teilnehmer an diesem Rennen. Das ist von den Organisatoren gedeckelt. Ich fahre alleine, also komplett unsupported. Also darf ich keine Hilfe von außen annehmen. Zum Beispiel darf ich mir nicht von Freunden und Verwandten helfen lassen. Jeder muss die gleichen Chancen und Bedingungen haben. Deswegen ist das auch viel mentale Arbeit. Sich zu überwinden bei Regen, bei Hitze, in der Nacht, mache ich eine Pause oder geht es doch lieber weiter. Das mache ich alles mit mir aus.

 

Und wenn etwas unterwegs kaputt geht?

Wenn etwas kaputt geht, kann ich mir zum Beispiel einen Fahrradladen suchen oder ich repariere das eben selbst, wenn ich das Werkzeug dabei hab. Das darf ich. Aber ich kann natürlich keinen Freund anrufen und fragen, ob er mir helfen kann.

 

Was wird in Deinem Gepäck sein?

Ach, nicht so viel. Ich bin sehr minimalistisch unterwegs. Meine Radklamotten, eine Badehose, mein Sport-T-Shirt, meine Regensachen. Ein bisschen was gegen Kälte, zum Beispiel wird es sicher in Norwegen in der Nacht kälter als in Spanien. Und ich habe meine Kamera-Technik dabei, eine Drohne und eine Systemkamera. Natürlich Werkzeug, um Kleinigkeiten reparieren zu können. Essen und Trinken kaufe ich mir unterwegs. Es ist ja alles Gepäck und da will ich nicht unnötig mit mir rumfahren.

 

Sicher auch nicht das mentale Gepäck. Hannes, warum machst Du so etwas?

Das ist eine ganz einfache Antwort: Ich versuche das herauszufinden. Ich brauche Zeit für mich und will meinen höchsten Wert ausleben: Freiheit. Ich möchte mich auf mich fokussieren und auf nichts anderes. Es ist für mich so eine Art Experiment. Was passiert, wenn ich an meine mentalen und körperlichen Grenzen gehe. Was macht das mit mir. Und was kann ich daraus lernen. Ich bin sicher, dass ich diese Erfahrung dann auf andere Bereiche übertragen kann. Auch in den Beruf. Diese ganze Erfahrung wird mich im übertragenen Sinne reicher machen, das tut sie eigentlich jetzt schon.

 

Du radelst auch für den guten Zweck, für HITA. Warum?

Ich habe so tolle Chancen und Möglichkeiten in unserer europäischen Welt. Das ist für mich nicht selbstverständlich. So will ich ein bisschen etwas zurückgeben, denn ich habe hier solche Chancen bekommen. Und auf diese Weise noch anderen Menschen zu helfen, die nicht diese gleichen Chancen haben, das ist doch ein toller Gedanke.

Hannes, vielen Dank, dass Du Dir in der Vorbereitungszeit die Zeit für das Interview genommen hast. Wir sind gespannt und drücken Dir alle Daumen.

 

Wenn Ihr Hannes und HITA unterstützen wollt: Spendenaufruf von Hannes Muenzner: 7.400 km ans Limit: Ein Rennen. Ein Film. Ein guter Zweck.

Wenn Ihr Hannes während des Rennens verfolgen wollt, dann geht es hier entlang: Instagram oder unter www.wattundwille.de